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Daniel Speich Chassé: Die Erfindung des Bruttosozialprodukts. Globale Ungleichheit in der Wissensgeschichte der Ökonomie, Göttingen 2013.

Das Quellenreichste & historisch Originellste der hier vorgestellten Bücher. Speich Chassé beleuchtet hier - in zuweilen sehr dichter Beschreibung - vor allem die Bedeutung internationaler Organisationen (v. a. der UNO) bei der Entwicklung & weltweiten Verbreitung des BIP*/SONA in der Absicht, es als wisenschaftliches Instrument zur Reduktion sozialer (& globaler) Ungleichheit einzusetzen. Daneben wirft diese "Wissensgeschichte" aber auch einige sehr erhellende Randbemerkungen zur reduktionistischen Objektivierung von "Wissenschaft" durch ihre moderne Vermessung, zum Aufstieg der Makroökonomik zur "Leitwisenschaft des 20. Jahrhunderts" und zu innerökonomischen Kontroversen gerade in der Anfangszeit dieser Entwicklung. Verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit schenkt Speich Chassé bei seinem Fous auf "wissenschaftlich-politische Allianzen" im Umfeld der UNO den unmittelbaren Entstehungsbedingungen des BIP* -- Weltwirtschaftskrise & Weltkrieg -- und realen wirtschaftlichen Entwicklungen nach 1945. Aber damit beschäftigen sich ja alle anderen HistorikerInnen des BIP* ohnehin -- insofern eine wichtige Ergänzung der historischen Perspektive, auch im ambivalenten Blick auf das BIP*, der auch die wohlmeinenden Absichten und zeitweisen Errungenschaften einer ökonomischen "Modernisierungspolitik" würdigt.
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Kategorie: Literatur zur Wertrechnung
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