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titelblatt Wie sich der Großraum Graz aktuell ernährt, das ist weder gesund, noch nachhaltig, geschweige denn regional. Das Studierendenprojekt „Graz ernährt sich” beschäftigte sich mit dieser Problematik und möglichen Lösungen. Dazu wurden aktuelle Produktionsdaten in den Bezirken Graz und Graz Umgebung erhoben und durchschnittliche Verbrauchswerte errechnet. Darauf aufbauend wurden produktions- wie konsumseitig Szenarien erstellt, wie die Selbstversorgung des "Großraums Graz" mit Lebensmitteln verbessert werden könnte. Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse des Studierendenprojekts. Registrierten BesucherInnen bieten wir auch den gesamten Projektbericht als PDF-Download an.  

Ist-Zustand

Bei der Ermittlung der aktuellen Produktion mussten einige konsumierte Lebensmittel ausgespart werden, weil diese nicht lokal produziert werden bzw. deren Anbau generell schwierig oder nicht nachhaltig möglich wäre. Dazu gehören unter anderem exotische Früchte und Gemüse wie z.B. Kakao, Kaffee, Bananen, Zitrusfrüchte und Zucker. Weiters wurden Gewürze, Weintrauben, Fisch, Honig und diverse Getränke nicht mit berücksichtigt. Dadurch beschränkt sich der Fokus auf folgende Lebensmittelgruppen: Gemüse, Obst, Getreide, Kuhmilch, Eier und Fleisch (Rind, Huhn, Schwein). Die Produktions- und Flächendaten wurden  von den zuständigen Ämtern bezogen und entsprechend der Fragestellung aufbereitet. Aufgrund der jährlichen Ertragsschwankungen sind die Daten aus den gewählten Bezugsjahren als Annäherung zu verstehen.
Beim Konsum wurden die Daten dieser Lebensmittelgruppen aus dem Miniwarenkorb, der Konsumerhebung und der rollierenden Agrarmarktanalyse ("RollAMA") herangezogen und aufbereitet. Neben den Daten für „Rohprodukte” wurden auch ein paar beliebte Fertiggerichte herangezogen, wobei die entsprechenden Zutaten herausgerechnet wurden.
Anschließend wurden die Daten (Pro-Kopf-Konsums und Pro-Kopf-Produktion in Kilogramm bzw. Tonnen) gegenübergestellt. Die Bezugsgröße für die Ergebnisse waren 425.000 EinwohnerInnen. Da Stoffflüsse nicht mit berücksichtigt wurden, ergibt sich daraus ein theoretischer Selbstversorgungsgrad, d.h. ein Wert, der angibt, wie hoch die Selbstversorgung nach derzeitigen Produktionsbedingungen und Konsummustern sein könnte, wenn alles in den beiden Bezirken Produzierte auch dort konsumiert werden würde.

Bei allen untersuchten Kategorien konnte nur bei Obst eine sehr hohe Selbstversorgung festgestellt werden (bis zu 82%), wobei dort das tatsächliche Selbstversorgungspotential nicht ausgeschöpft wird, weil fast die Hälfte des konsumierten Obstes importierte Produkte wie Bananen, Orangen etc. ausmacht. Während beim Obst die Konsumseite Nachholbedarf hätte, wäre es bei der Produktion der Getreideanbau. Hier werden nur rund 11% des angebauten Getreides als Brotgetreide für den direkten menschlichen Verzehr angebaut. Der Rest wird als Tierfutter vermarktet, obwohl - wenn ausschließlich für den direkten menschlichen Verzehr angebaut werden würde - der Deckungsgrad von Getreide von 16,5% auf 196% angehoben werden könnte. Beim Fleisch besteht zwar ein Deckungsgrad von einem Drittel basierend auf den aktuellen Produktionsmengen, jedoch sind hier nicht die Importe von Sojabohnen, Sojaschrot und anderen Futtermitteln mitberücksichtigt. Dieser hohe Selbstversorgungsgrad wird also vor allem durch eine hohe Viehdichte und Futtermittelimporte erreicht. Ähnliche Abhängigkeiten von Importen gelten auch für die Milchproduktion, die einen Deckungsgrad von fast 29% aufweist. Am schlechtesten schneidet die Versorgung mit Eiern ab, die in Graz und Graz-Umgebung bei knapp über 11% liegt.
Diese hier erhobenen Zahlen werden jedoch bald veraltet sein, weil weiterhin landwirtschaftliche Nutzflächen durch Versiegelung geringer werden. Gerade im urbanen und suburbanen Raum gehen aufgrund des Städtewachstums und Zuzugs teilweise sehr wertvolle Flächen verloren (z.B. 6% Ackerland zwischen 1999 und 2014 in Graz und Graz-Umgebung).
 
Produktkategorie Selbstversorgungsgrad Großraum Graz Selbstversorgungsgrad Österreich (2014/15)
Getreide 16,48% 95 %
Fleisch 33,62% 110 %
Milch/Milchprodukte 28,89% 160 %
Eier 11,37% 84 %
Gemüse 14,59% 63 %
Obst 82,11% 55 %

Tabelle 1.: Gegenüberstellung der Selbstversorgungsgrade für Graz und Graz-Umgebung mit dem von Österreich

Nachhaltigkeit und Zukunftstauglichkeit des bestehenden Versorgungssystems

Insgesamt muss die Nachhaltigkeit und Zukunftstauglichkeit des derzeitigen Produktions- und Verteilungssystems und Konsummusters stark hinterfragt werden. Die Selbstversorgungsgrade würden in allen Kategorien noch deutlich geringer ausfallen, wenn alle notwendigen Energieinputs (für den Betrieb von Maschinen, Transport, Dünger, Pestizide), die nicht lokal gedeckt werden, mitberücksichtigt werden würden. Auch das lokale Lebensmittelsystem (in Graz und Graz-Umgebung) von der Produktion über Distribution bis zum Konsum ist in das globalisierte Ernährungswirtschaftssystem eingebettet und davon abhängig. Entsprechende Probleme sind:

Szenarien zur Veränderung und Verbesserung des Ist-Zustandes

Da die derzeitige Ernährungsweise weder ernährungsphysiologisch empfehlenswert noch durch eine regionale Produktion abdeckbar ist, wurden anschließend an die Ermittlung des Ist-Zustandes zwei Szenarien erstellt, um die möglichen Auswirkungen einer gesünderen Ernährungs- und einer nachhaltigeren Produktionsweise auf den Selbstversorgungsgrad zu untersuchen.
Ernährungsseitig wurde hierbei zunächst eine ausgewogenere Ernährung betrachtet, die den Empfehlungen der Österreichischen Ernährungspyramide entspricht. Im Vergleich zur derzeitigen Ernährungsweise sollten weniger tierische Produkte, wie Milch, Eier und insbesondere Fleisch, verzehrt werden. Stattdessen empfiehlt es sich, vermehrt Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte in die Ernährung zu integrieren. Da insbesondere der übermäßige Verzehr von Fleisch und Selchwaren zu gesundheitlichen Problemen führt, bildet eine rein vegetarische Ernährung die Basis des zweiten Szenarios. Hierbei wäre die Umstellung auf gar kein Fleisch, weniger tierische Produkte und dafür mehr Obst und Gemüse im Vergleich zum derzeitigen Konsum noch drastischer. Dafür ist diese Ernährungsumstellung noch effektiver hinsichtlich der Verbesserung des Selbstversorgungspotenzials.
Produktionsseitig wurde in der Szenarienmodellierung die Flächenwidmung an die veränderte Nachfrage angepasst. Wenn im Rahmen der Szenarien beispielsweise mehr Gemüse konsumiert wird, impliziert das, dass auch größere landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Gemüse verwendet werden müssen. Dafür wird der Anteil anderer Flächen an der gesamten zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Fläche, wie etwa für tierische Produkte, geringer. Eine weitere drastische Veränderung der Produktion ist, dass Tiere rein über Grünflächen ernährt werden. Im Gegensatz zur derzeitigen Lage werden also keine Ackerflächen zum Anbau von Futtermitteln verwendet. Die Tierhaltung gilt hierbei als nachhaltig, wenn einer Großvieheinheit mindestens ein Hektar Fläche zur Verfügung steht. Eine dritte Veränderung der Produktionsweise besteht darin, dass die Flächen agrarökologisch bestellt werden. Dies bedeutet, dass der Erhalt bzw. die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit oberste Priorität hat und darauf abgezielt wird, möglichst ohne externe Inputs auszukommen. Diese Art der landwirtschaftlichen Bestellung erfordert eine arbeitsintensive Bestellweise mit Furchtfolgen auch innerhalb einer Saison.
Die Szenarien zeigen, dass eine Konsumumstellung äußerst wirksam zur Verbesserung des Selbstversorgungsgrades beitragen kann, allerdings nur, wenn die Flächenwidmung an die Nachfrage angepasst wird. Um dies zu verdeutlichen, wird die jeweilige Ernährungsumstellung einerseits der derzeitigen Produktionsweise und Flächenwidmung und andererseits der oben beschriebenen optimierten Produktionsweise und Flächenwidmung gegenübergestellt. Die Flächendaten beziehen sich jeweils auf das Jahr 2014.

Im ersten Szenario wurde untersucht, wie ein Konsum, der den Empfehlungen der Österreichischen Ernährungspyramide entspricht, den Selbstversorgungsgrad der Bezirke Graz und Graz-Umgebung verändern könnte.
In einem ersten Schritt wurde der momentane Konsum den empfohlenen Mengenangaben der Österreichischen Ernährungspyramide gegenübergestellt. Bei einer einseitigen Konsumänderung, ohne gleichzeitige Optimierung der Produktion, kann der Selbstversorgungsgrad nicht verbessert werden. Tatsächlich sinkt der allgemeine Selbstversorgungsgrad der Region sogar von 19% auf 18%. Dies liegt insbesondere daran, dass auf durch eine geringere Fleischproduktion freigewordenen Flächen andere Produkte produziert werden müssten. Gerade bei Obst und Gemüse liegt der derzeitige Konsum nämlich weit unter den in der Österreichischen Ernährungspyramide empfohlenen Mengen. Bei einer geänderten Nachfrage müssten zuerst diese Produktgruppen in der Produktion abgedeckt werden.
 

Abbildung 1
Abb.1: Gegenüberstellung der Mengen des momentanen Konsums mit den Empfehlungen der Österreichischen Ernährungspyramide

Des Weiteren zeigt sich aber, dass bei einer Konsumveränderung mit gleichzeitiger Produktionsoptimierung großes Potential zur Verbesserung des Selbstversorgungsgrades vorliegt. So wurde in einem zweiten Schritt nicht nur der Konsum den Empfehlungen der Österreichischen Ernährungspyramide angepasst, sondern auch die Flächennutzung an die veränderte Nachfrage angepasst. Unter Berücksichtigung dieser Annahmen könnten sich Graz und Graz-Umgebung zu 77% selbst mit pflanzlichen Produkten wie Getreide, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und pflanzliche Öle versorgen. Der Bedarf an tierischen Produkten wie Fleisch, Milch, Milchprodukte, Eier und tierische Fette könnte zu 18% durch Produktion innerhalb der Region gedeckt werden. Somit könnte der gesamte Selbstversorgungsgrad von 19% auf 27% gesteigert werden.
Allgemein lässt sich also sagen, dass sich Graz und Graz-Umgebung durch eine Konsumveränderung nach den Empfehlungen der Österreichischen Ernährungspyramide und eine daran angepasste nachhaltige Produktionsweise zu 27% selbst versorgen könnte. Dies entspricht einer Steigerung von 8%, wenn man den momentanen Selbstversorgungsgrad von 19% zum Vergleich heranzieht.
 

Abbildung 2
Abb.2: Szenario 1 – Konsumveränderung nach den Empfehlungen der Österreichischen Ernährungspyramide


Im zweiten Szenario wurde zunächst der aktuelle Konsum mit den empfohlenen Mengen der vegetarischen Ernährungspyramide gegenübergestellt, um aufzuzeigen, welche Veränderungen des Konsummusters sich bei einer Umstellung auf eine vegetarische Ernährung ergeben. In einem zweiten Schritt wurde anhand der Gegenüberstellung der Konsummengen einer vegetarischen Ernährung mit den derzeitigen Produktionsmengen der Selbstversorgungsgrad ermittelt.
Der Anbau von Futtermitteln in Graz und Graz-Umgebung beansprucht derzeit knapp 25000 Hektar, was knapp 75% der landwirtschaftlich genutzten Flächen der Region entspricht. Doch trotz des hohen Flächenverbrauches kann die regionale Nachfrage nach Fleisch nicht gedeckt werden. Bei einer Umstellung auf eine vegetarische Ernährung würden weniger Flächen für den Futtermittelanbau von Nutztieren benötigt. Dies ergibt wiederum neue Nutzungsmöglichkeiten für die frei gewordenen Futteranbauflächen. Neben dem niedrigeren Flächenverbrauch ergeben sich auch gesundheitliche Vorteile für den Menschen, wie eine geringere Anfälligkeit für Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes Typ 2 oder Übergewicht, und für die Umwelt, wie eine Reduktion des Wasserverbrauches, ein niedrigerer Ausstoß an Treibhausgasemissionen und ein höherer Kaloriengewinn pro Hektar.
Bei der Gegenüberstellung der Mengen des momentanen Konsums mit den Empfehlungen der vegetarischen Ernährungspyramide zeigt sich, dass sich der Konsum von Gemüse und Obst verdreifachen und jener von tierischen Produkten, wie Milchprodukte und Eier, halbieren müsste. Zudem sollten vermehrt Vollkorngetreide und pflanzliche Proteine in Form von Hülsenfrüchten, Nüssen oder Samen konsumiert werden. Fette sollten hauptsächlich in pflanzlicher Form verzehrt werden, was den empfohlenen und den aktuellen Konsum von Speiseöl auf gleichem Niveau halten würde.
 

Abbildung 3
Abb.3: Gegenüberstellung der Mengen des momentanen Konsums mit den Empfehlungen der vegetarischen Ernährungspyramide


Für die Berechnung des Selbstversorgungsgrades von Graz und Graz-Umgebung bei einer Umstellung auf eine vegetarische Ernährung wurden die errechneten Produktmengen, nach den Empfehlungen der vegetarischen Ernährungspyramide, den Mengen bei bestehender Produktionsweise gegenübergestellt. Allein durch die Umstellung auf eine vegetarische Ernährungsweise könnte die Nahrungsmittelnachfrage zu einem etwas höheren Anteil regional gedeckt werden. Dies allein würde einen Selbstversorgungsgrad von 23%, statt momentanen 19%, ergeben. Doch auch wenn der Flächenbedarf bei einer Konsumveränderung sinkt, kann der Selbstversorgungsgrad nicht deutlich gesteigert werden, da die Flächenverteilung und die Art des Anbaus der Produkte gleich bleibt. Aus diesem Grund bedarf es einer Neuausrichtung der Flächen nach dem veränderten Konsummuster und einer nachhaltigeren Art des Anbaus. Hierdurch könnten pflanzliche Produkte, wie Getreide, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und pflanzliche Öle, zu 112% in der Region selbst hergestellt werden. Der Bedarf an tierischen Produkten wie Milch, Milchprodukten und Eiern könnte zu 82% gedeckt werden. Dies ergäbe einen gesamten Selbstversorgungsgrad von 93%.
Die Ergebnisse zeigen, dass durch eine Umstellung auf eine vegetarische Ernährungsweise, eine Anpassung der Flächenwidmung auf die veränderten Konsummuster, und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Selbstversorgungsgrad enorm gesteigert werden kann. Statt nur 19% könnten sich Graz und Graz-Umgebung zu 93% selbst versorgen. Würden des Weiteren nicht-landwirtschaftliche Flächen für die Lebensmittelproduktion eingesetzt werden, z.B. Haus- oder Schrebergärten, Dachgärten oder Hochbeete und Strauchpflanzungen im öffentlichen Raum (im Sinne der essbaren Stadt), wäre eine Annäherung an 100% Versorgung (ohne Berücksichtigung von möglichen Lebensmittelabfällen) möglich. Dafür würden ca. 2000 ha5 benötigt werden.
 

Abbildung 4
Abb.4: Szenario 2 – Konsumveränderung nach den Empfehlungen der vegetarischen Ernährungspyramide

Alternative Strategien der Produktion und Distribution von Lebensmitteln

Die Krisen unserer Zeit (Wirtschafts-, Finanz-, Umwelt-, Ressourcen-, Hungerkrisen …) gefährden die Sicherung der Lebensmittelversorgung. Das globale Lebensmittelversorgungssystem ist alles andere als krisenfest. Denn: würden plötzlich alle Transporte weltweit stehen bleiben, wären die Supermarktregale innerhalb von drei Tagen leer. Die Ernährung ist einer der essentiellsten Bereiche im Erhalt des menschlichen Daseins. Immer mehr Menschen leben in Städten und sind von der Fremdversorgung mit Lebensmitteln abhängig. Gerade deswegen ist die Stärkung innovativer Alternativen entlang der Lebensmittelversorgungskette notwendig. Welche Strategien der Lebensmittelversorgung gibt es im urbanen Raum, die krisenfest, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht sind? Folgende Beispiele alternativer Strategien der Lebensmittelversorgung werden vorgestellt: Solidarische Landwirtschaft, Lebensmittelkooperativen, urbane Gärten und urbane Ernährungspolitik.
Solidarische Landwirtschaft (engl.: Community Supported Agriculture) bezeichnet eine Partnerschaft zwischen Produzierenden und Konsumierenden, die eine geteilte Verantwortung und ein geteiltes Risiko für die Produktion von Lebensmittel für ein Wirtschaftsjahr tragen. Diese Vereinbarung ermöglicht den Bauern und Bäuerinnen ein vorfinanziertes Produktionsjahr und garantiert den Konsumierenden gesunde und nachhaltig produzierte Lebensmittel. Das Modell geht von dem Grundgedanken eines Menschen als ein kooperatives Gemeinschaftswesen aus und davon, dass die Natur innerhalb gesunder Betriebskreisläufe genügend Überschüsse produziert. Kleinbäuerliche Strukturen der Landwirtschaft wie auch ökologische Bewirtschaftungsmethoden werden durch diese Strategie gestärkt. Versorgung mit regionalen, biologischen und saisonalen Produkten, die weniger Verarbeitungsschritte und weniger Verpackungsmaterial in Anspruch nehmen, sowie kürzere Transportwege und ein bewussterer Umgang mit dem Konsumverhalten sind ein positiver Beitrag für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem.
Eine Lebensmittelkooperative (engl. Food Coop) ist ein Zusammenschluss von Menschen, die vor allem biologische Lebensmittel direkt und selbstbestimmt bei den Produzierenden beziehen. Die Wiederherstellung des Kontaktes zwischen ProduzentIn und KonsumentIn steht im Zentrum ihres Handelns. Die dabei bezogenen Lebensmittel sollen regional, saisonal, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht hergestellt werden. Die Organisation von Aufgaben erfolgt durch die Mitglieder selbst. Food Coops verstehen sich als Ausdruck von Kritik an der gegenwärtigen Lebensmittel- und Agrarindustrie. Positive Effekte von Lebensmittelkooperativen sind selbstbestimmte Essgewohnheiten, faire Preise für ProduzentInnen und KonsumentInnen, transparente Vertriebswege und innere Organisation, die Sicherung gerechter Produktionsbedingungen und Anbauformen, kurze Transportwege, Vermeidung von unnötigem Verpackungsmaterial und die Stärkung landwirtschaftlicher und kleinbäuerlicher Strukturen.
Urbane Gärten (engl. Urban Gardening) ist ein umfangreicher Begriff, der unterschiedliche Motive des Gärtnerns und unterschiedliche Formen der Gestaltung beinhaltet. Im engeren Sinne beschreibt er die Bepflanzung öffentlicher Räume und Orte, die für eine Gemeinschaft zugänglich sind. Das Gärtnern kann politische, soziale, kulturelle, pädagogische, ökologische und ökonomische Hintergründe haben. Die urbanen Gärten treten in Form von Nachbarschafts-/ Interkulturellen-/ Generationen-/ Schul-/ Studierenden-/ Frauen-/ Guerilla- Gärten auf. Im weiteren Sinne zählen Schrebergärten, Balkon-/ Fenster- Dachterrassen- Gärten, sowie Fassadenbepflanzungen und urbane landwirtschaftliche Betriebe ebenso zu urbanen Gärten. Städtisches Gärtnern unterstützt die ökologische Nachhaltigkeit, verbessert das Stadtklima und die Böden, schützt die Biodiversität und die Sortenvielfalt und stärkt das soziale Miteinander und den Austausch von Wissen
Städtische Ernährungsstrategien (engl. Urban Food Strategies) sind Entwicklungsprogramme einer urbanen Ernährungspolitik (engl. Urban Food Policy) für das Ernährungssystem einer Stadt. Die Strategien verbinden das Know-How von Wissenschaft, Politik und Zivilbevölkerung, um nachhaltige Strategien der Produktion, der Verteilung und des Konsums von Lebensmitteln einer Stadt zu entwickeln. Unter Berücksichtigung der Interessen aller Stakeholder kann ein umfassendes Handlungskonzept erstellt werden. Eine effektive urbane Ernährungspolitik unterstützt nachhaltige Anbaumethoden und erzeugt weniger Lebensmittelverschwendung, unterstützt die Gesundheit und das Wohlergehen der BürgerInnen, stärkt die Ernährungssicherheit und –gerechtigkeit einer Stadt, unterstützt regionale landwirtschaftliche und kleinbäuerliche Strukturen, sichert gerechte Produktionsbedingungen, nachhaltige Anbauformen und kürzere Transportwege und vermeidet unnötiges Verpackungsmaterial. Ein zukunftsfähiges urbanes Ernährungssystem kann aufgebaut werden, wenn den Problemen unserer gegenwärtigen Ernährungsweise mit entsprechenden alternativen Strategien der Produktion und Verteilung von Lebensmitteln entgegengewirkt wird.

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Kategorie: Themen
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