Drucken

Das Kennzahlsystem der Measure of Economic Welfare (MEW) wurde 1972 von den Yale-Ökonomen William D. Nordhaus und James Tobin entwickelt (vgl. Nordhaus & Tobin 1972 [=1]). Es gilt als erster Versuch zur systematischen Korrektur der ökonomischen Wertrechnung und somit als Vorbild und Ausgangspunkt weiterer alternativer ökonomischer Kennzahlen, allen voran des R/ISEW - Regional/Index of Sustainable Economic Well-Being. Nordhaus und Tobin unterschieden dabei auch bereits die "Actual" von einer "Sustainable Measure of Economic Welfare", die ein Konsumniveau anzeigt, welches nicht auf Kosten zukünftigen Wachstums geht. Nachhaltigkeit ist hier, zu Beginn der 1970er, also noch eine rein ökonomische Kategorie -- weshalb die SMEW heute eher historische Bedeutung hat.

Selbstverständnis und Motivation

Die S/MEW sollte durch einige "Anpassungen" des BSP (damals noch die zentrale Zahl der VGR) eine Maßzahl für "nachhaltige/ökonomische Wohlfahrt" kreieren. Dazu sollte neben einer Neuklassifikation der Verwendungsrechnung v. a. der Wert von Freizeit und Hausarbeit und die Kosten einiger "disamenities of urbanization" ([1] : 5) berücksichtigt werden -- also der "Nachteile der Urbanisierung".

Methodik

Bei der S/MEW handelt es sich um ein korrigiertes BSP/BIP, basierend auf folgenden Anpassungen: BSP - Abschreibungen = NSP - öffentliche & private "defensive Ausgaben" + weitere nicht-berücksichtigte Wohlfahrtszuwächse & -abträge (Freizeit (+), nichtmarktl. Aktivität (+), unangenehme Folgewirkungen/Nachteile ("disamenities") (-), öffentliche Dienstleistungen (+) = MEW - zusätzliche Abschreibungen - Wachstumserfordernisse ("growth requirement") = SMEW
Das "Nettosozialprodukt" begreifen Nordhaus und Tobin als Maßzahl dafür, wie viel Konsum eine Wirtschaft dauerhaft aufrecht erhalten könnte (ebd. : 6). Die MEW berücksichtigt darüber hinaus auch externe Kosten und nicht-marktliche Wohlfahrtszuwächse. Die SMEW bereinigt diesen Wert um weitere Abschreibungen und wachstumserforderliche Kapitalerweiterungen und soll so ein Konsumniveau repräsentieren, welches zugleich weiteres Wachstum (im Gleichschritt mit dem Bevölkerungswachstum und der Arbeitsproduktivität) erlaubt und den Kapitalstock erhält (vgl. [2] : 9): "[W]hen actual MEW exceeds sustainable MEW, current consumption in effect includes some of the fruits of future progress." ([1] : 7).

Aussagekraft

Die S/MEW als erster systematischer Versuch, das BIP* zu einem Maß für nachhaltig erwirtschaftbare Wohlfahrt auszubauen, war eine Pioniertat und hatte als solche Vorbildwirkung für die in den folgenden Jahren ausgearbeiteten Alternativen. Von bleibendem Wert dabei ist der wohlfahrtsökonomische Fokus auf die möglichen Konsumausgaben der privaten Haushalte als Ausgangspunkt und die Ausleuchtung einiger blinder Flecken und Schattenseiten des BIP*. Deutlich zu kurz greift die SMEW in ihrer Auffassung nachhaltigen Wachstums, welche ökologische und auch soziale Aspekte nur unzureichend berücksichtigt -- hier setzt, inspiriert durch das Paradigma der "ökologischen Ökonomik", allen voran der ISEW - Index of Sustainable Economic Well-Being mit seinen Neuerungen an.

Praxis

Die S/MEW wurde von Nordhaus und Tobin lediglich für die USA, und lediglich einmal, für den Zeitraum 1929-65 berechnet (vgl. [1]). Interessanterweise lag dabei der Wert der S/MEW durchgehend deutlich höher als der des BSP im selben Zeitraum -- ein Umstand, der v. a. durch die Berücksichtigung des Werts von Freizeit ("leisure time") zu erklären ist.

Plus/Minus

+

-

Quellen

[1] Nordhaus, William D. & Tobin, James (1972): Is Growth Obsolete? in: dies.(Hg.): Economic Research: Retrospect and Prospect, Bd. 5, Economic Growth, S. 1-80. >> ONLINE-DOKUMENT
[2] Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress (2009): Survey of Existing Approaches to Measuring Socio-Economic Progress >> ONLINE-DOKUMENT

Kategorie: BIP. Kritik & Alternativen
Zugriffe: 9246