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Der ISEW wurde 1989 von Herman E. Daly & John B. Cobb konzipiert und erstmals berechnet. Seit 1994 wird er von zwei britischen Institutionen betreut: der nef - new economics foundation (Nic Marks) und der Universität Surrey (Tim Jackson). In den USA hat der GPI - Genuine Progress Indicator - konzeptuell identisch mit dem ISEW - dessen Nachfolge angetreten, und er ist zumindest praktisch bislang weit erfolgreicher als sein Vorläufer. Als regionale Variante soll der R-ISEW hier nachziehen.

 

Selbstverständnis und Motivation

So wie der ISEW (als Index für "Welfare") das BIP, soll der R-ISEW (als Index für "Well-Being") das BRP korrigieren und als Maßzahl dafür dienen, inwieweit die wirtschaftliche Aktivität in einer Region zum Wohlbefinden beiträgt, dieses mindert und wie nachhaltig diese Aktivität ist. Er differenziert dazu Ausgaben, die zum Wohlstand beitragen und nachhaltig sind von "defensiven Ausgaben" für externe Kosten wirtschaftlicher Entwicklung, er berücksichtigt den Wertverlust ökologischen und sozialen Kapitals, und er wertschätzt den Beitrag nicht-bezahlter Arbeit zur ökonomischen Wertschöpfung. Er soll als synthetische, korrigierte ökonomische Kennzahl deutlich sichtbar machen, ob Wachstum tatsächlich nachhaltig Wohlstand generiert oder nicht: "The R-ISEW, as a single figure, allows policy makers to assess overall progress towards sustainable economic well-being, bringing together a wide range of issues, but weighting them appropriately using a single coherent framework." ([1] : 1)

 

Methodik

Konzeptuell und methodologisch ist der R-ISEW, auf Basis des ISEW, identisch mit dem GPI - Genuine Progress Indicator (zur Methodik siehe ergänzend auch dort). Es handelt sich um ein korrigiertes Bruttoregionalprodukt, einen synthetischen Index, der ökologische und soziale Belange in monetärer Form in die Wertrechnung integriert. Der R-ISEW besteht konkret aus 20 Komponenten, die zu einer Kennzahl verdichtet werden, aber auch getrennt voneinander analysiert werden können. Ausgangsgröße für den R-ISEW bilden die privaten Konsumausgaben, gewichtet nach der Einkommensverteilung. Darauf aufbauend werden folgende Anpassungen vorgenommen: Hinzugerechnet werden öffentliche Ausgaben (etwa für Bildung und Gesundheit), die als "nicht-defensiv" erachtet werden, ebenso Schätzungen des Werts von unbezahlter Hausarbeit und Freiwilligenarbeit. Abgezogen werden defensive private Ausgaben (etwa für die Folgen von Kriminalität, Scheidungen, Pendeln und ungleiche Einkommensverteilung), "Reparaturkosten" (etwa durch Unfälle auf Straße & am Arbeitsplatz), die Kosten von Umweltverschmutzung & -zerstörung (etwa durch Habitatsverluste und den Klimawandel) und der Wertverlust natürlichen Kapitals, aber auch sonstiger Abschreibungen, um Nettowerte zu erhalten.

 

Aussagekraft

Der R-ISEW lässt sich in gleicher Weise -- und mit denselben Einschränkungen -- interpretieren wie sein Zwilling, der GPI - Genuine Progress Indicator. Dass das gemessene Konstrukt im einen Fall "echter Fortschritt", im anderen "nachhaltige ökonomische Wohlfahrt" (beim ISEW) oder "nachhaltiges ökonomisches Wohlbefinden" (R-ISEW) genannt wird, weist darauf hin, dass es in erster Linie darum ging, das BIP/BSP als ökonomische Maßzahl zu korrigieren -- der Bezug zu "Fortschritt" und "Wohlbefinden" ist dabei eher ad-hoc und kaum theoretisch begründet (im Gegensatz zu "Wohlfahrt"). Im Fall des R-ISEW ist ausdrücklich anzumerken, dass hier -- anders als bei Maßzahlen für "Wellbeing" üblich -- keine subjektiven Größen erhoben werden.

 

Praxis

Anders als der GPI hat der R-ISEW außer einer konzeptuellen Erprobung für einige englische Regionen und Finnland (vgl. [2]) noch keine nennenswerte Verbreitung in der Praxis gefunden.

 

Plus/Minus

+

-

 

Quellen

[1] Centre for Well-Being, nef (the new economics foundation), UK & Prof. Tim Jackson, University of Surrey, UK (2012): The Regional Index of Sustainable Economic Well-Being (R-ISEW) >> ONLINE-REPORT IM VOLLTEXT

[2] "Index of Sustainable Economic Welfare" >> EINTRAG AUF WIKIPEDIA

Kategorie: BIP. Kritik & Alternativen
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