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Die Grundidee des "ökologischen Fußabdrucks" wurde 1996 von Mathis Wackernagel & William Rees an der University of British Columbia in Vancouver entwickelt. Seit 2003 wird der EFP vom Global Footprint Network, bestehend aus 75 Partnerorganisationen, weiterentwickelt und als Alternative zum BIP propagiert. Der "ökologische Fußabdruck" hat mittlerweile bereits Einzug in die Alltagssprache, aber auch in die nationalen Statistikbüros vieler Länder auf der ganzen Welt gefunden, und er hat sich als Instrument in der Entwicklungs- und Nachhaltigkeitspolitik bereits etalbiert -- und nicht zuletzt auch als Teilindex in andere alternative Messgrößen (wie bspw. den HPI - Happy Planet Index) Eingang gefunden.

 

Selbstverständnis und Motivation

Die Ermessung des gesamten menschlichen "Bedarfs" an und "Effekts" auf "Natur" wird als Voraussetzung gesehen, um eine (ökolog.) nachhaltige Entwicklung messen und managen zu können. Ökologisches "Accounting" muss demnach zentraler Bestandteil ökonomischer Entscheidungen werden, und langfristig sollen darauf aufgebaute Indizes ebenso bedeutsam und selbstverständlich werden wie heutzutage das BIP.

 

Methodik

Der "ökologische Fußabdruck" gibt an, wie viel biologisch produktives Land und Wasser ein Individuum, ein Land, eine Aktivität (oder auch ein Produkt) benötigt, um die jeweils konsumierten Ressourcen zu produzieren und entstehende Abfälle zu absorbieren -- nach gängigen Technologien & Praktiken. Der EFP basiert auf dem Konzept der "Massenflussbilanz", übersetzt in die dafür notwendigen ökologisch produktiven Bereiche: bebautes Land, Waldland, Fischgründe, Grasland, Ackerland, CO2. Vergleicht man den so ermittelten EFP mit der (eigenen) Biokapazität bspw. eines Landes, so lassen sich daraus Biokapazitäts-Defizite ermitteln.

Der EFP wir jährlich für praktisch alle Länder der Welt berechnet und gilt weithin als anerkannter Indikator der "Unnachhaltigkeit" unserer gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweise.

 

Aussagekraft

Der EFP misst lediglich einen Aspekt der (ökologischen) Nachhaltigkeit, das ist die regenerative Kapazität der Erde. So gut der EFP diesen Aspekt in Konzept und Methodik auch erfasst -- er kann weder als seriöse Alternative zum BIP, noch als umfassende Maßzahl ökologischer Nachhaltigkeit gelten. Dazu fehlen ihm zum einen natürlich ökonomische und soziale Größen, zum anderen Messgrößen zur Ausbeutung nicht-erneuerbarer Ressourcen und zur unmittelbaren Zerstörung der natürlichen Umwelt, einschließlich der Öko-Systeme.

Nichtsdestotrotz kann der EFP als zentraler, aussagekräftiger und dabei anschaulicher Index dafür aufgefasst werden, was er misst: den Umgang mit der regenerativen Kapazität der Erde. Das ist eine ganz wesentliche Information für die Frage der Nachhaltigkeit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise. Als Teilindex umfassenderer Indizes (wie bspw. des HPI - Happy Planet Index) drängt er sich damit förmlich auf. Das Global Footprint Network arbeitet indes laufend an der Verbesserung und methodologischen Verfeinerung des EFP.

 

Praxis

Aufgrund seiner Qualitäten ist der EFP mittlerweile sehr populär, wurde mehrfach ausgezeichnet und auch bereits in vielen Ländern (2015 weltweit in jedem zehnten) in unterschiedlichen administrativen und politischen Bereichen fix institutionalisiert. Auf Basis der EFP-Berechnungsmethode lassen sich damit der ökologische Fußabdruck der Menschheit, aber auch des jeweils individuellen Lebensstils oder auch eines bestimmten Produkts ermitteln. Darüber hinaus dient der EFP als wichtiges Instrument in der Entwicklungspolitik und er ist auch Bestandteil der Green Economy Initiative der UNEP.

 

Plus/Minus

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Quellen

[1] Factsheet "Ecological Footprint" >> ONLINE-DOKUMENT

[2] Global Footprint Network -- Ecological Footprint >> OFFIZIELLE WEBSITE

Kategorie: BIP. Kritik & Alternativen
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