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Der genossenschaftliche Vermögenspool ist ein zins- und mietfreies Finanzierungskonzept, das in konkreten Projekten zur Anwendung kommen kann. In einem Vermögenspool fließen die Beiträge von Menschen zusammen, die ein sozial sinnvolles Gemeinschafts- oder Wirtschaftsprojekt unterstützen, um die Anschaffung von Grund, Gebäuden, die Errichtung oder Sanierung von Gebäuden sowie den Bau von Energie- und sonstigen Anlagen für wichtige menschliche Bedürfnisse zu ermöglichen. Die AnlegerInnen bilden eine Fördergemeinschaft, die im Grundbuch abgesichert wird und bekommen bei Bedarf ihre Beiträge zuzüglich der Inflation wieder ausbezahlt. Durch regelmäßige Beiträge der NutzerInnen und neue Einlagen wird der Pool im Fluss gehalten. Dadurch wird ein vom Bankensystem unabhängiger alternativer zinsenloser, den Wert erhaltender, legaler Vermögenskreislauf geschaffen. Obwohl bisher meist für Grund und Gebäude in Gemeinschaftswohnprojekten verwendet, ist diese Finanzierungsform auch für Wirtschaftsbetriebe denkbar und in leicht abgeänderter Weise bereits für die Anschaffung von Elektroautos einer Carsharing-Initiative erprobt.

 

HINTERGRÜNDE – Warum gibt’s es?

Dr. Markus Distelberger hat 1987 sein erstes Wohnprojekt gegründet und seither in seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt zahlreiche Wohnprojekte in Österreich in vertraglichen Angelegenheiten beraten. Dabei hat er festgestellt, dass rund um die Finanzierung ein großer Druck auf den Baugruppen lastet und die hohen Kreditkosten finanziell schwächer gestellten Menschen die Teilnahme oft fast unmöglich machen.
Zeitgleich ist die Kritik am derzeitigen finanzkapitalistischen Bankensystem in aller Munde und es gab dazu bisher erst wenige Alternativen. Das Vermögenspoolkonzept steht für einen neuen Umgang mit Geld und Vermögen, verändert den Blick auf Schulden und funktioniert ohne Zinsen und Miete. Es ist sofort umsetzbar – und eröffnet im Kleinen eine Finanzierungsform jenseits des Kapitalismus (und jenseits von Kollektivierung), die das etablierte System verändert, indem es ihm die Kraft entzieht.
Das 2006 gestartete Gemeinschaftsprojekt „Garten der Generationen“ war für Markus Distelberger dann der konkrete Anlass, das Konzept und Vertragswerk für den „Vermögenspool“ juristisch auszuarbeiten. Das Grundstück des „Garten der Generationen“ wurde zu 100 % mit einem eigenen Vermögenspool finanziert, in dem 46 Menschen gesamt 880.000,- Euro angelegt haben (Stand Ende 2015).

 

CHARAKTERISTIKA – Was macht's besonders?

BESONDERS FÜR ANLEGERINNEN – Ein neuer Umgang mit Geld und Vermögen
Es gibt viele Menschen, die ihr Erspartes auf der Bank liegen haben, es nicht akut brauchen und eigentlich gerne bereit sind, es in einem sinnvollen Projekt, das sie persönlich kennen, zinsenlos und wertgesichert zu investieren. Dabei entsteht ein neues Selbstverständnis: „Ich besitze Geldvermögen und wenn ich es selbst nicht brauche, überlasse ich es anderen zur Nutzung.“ Geld wird vom Zwang befreit sich zu vermehren.
Die Einlagen der AnlegerInnen werden auf einem Treuhandkonto gesammelt und nur zu 90 % im Projekt investiert. 10 % bleiben als Liquiditätsreserve auf einem Treuhandkonto und ermöglichen kurzfristige Auszahlungen. Wenn jemand Geld entnehmen möchte, bekommt sie/er die Einlage wertgesichert – nach VPI – ausbezahlt. Das ist möglich, da auch die Immobilienwerte entsprechend der Inflation steigen und der Wert des Objekts in regelmäßigen Abständen angepasst wird.
Als besondere Absicherung wird eine/n TreuhänderIn im Namen der AnlegerInnengemeinschaft im Grundbuch eingetragen. Sollte das Projekt irgendwann nach vertraglichen Wartefristen keine Auszahlungen machen können und auch keine neuen AnlegerInnen finden, kann diese/r TreuhänderIn eine Versteigerung in die Wege leiten.

BESONDERS FÜR PROJEKTBETREIBERINNEN – Schulden haben ist OK
Wir sind es gewohnt, für Investitionen mit Bankkrediten zu finanzieren, die mehrfach Druck verursachen: Das Geld muss zurückgezahlt werden, zuzüglich der Zinsen und bei Säumnis steht schnell alles auf dem Spiel. Daher will normalerweise niemand Schulden haben.
Der Vermögenspool baut darauf auf, dass es vollkommen in Ordnung ist, ist Schulden zu haben, denn diese sind immer durch den Wert des mit ihnen angeschafften Objekts zu 100% gesichert. Die ProjektbetreiberInnen haben die Verantwortung, rund um ihren Vermögenspool ein Netzwerk von Menschen aufzubauen, welches einen ausgeglichenen Zu- und Abfluss im Pool sicherstellt. Sie sorgen dafür, dass durch die NutzerInnen regelmäßige Beiträge einfließen und dass bei Bedarf neue AnlegerInnen dazukommen wenn alte gehen, damit diese ihre Anteile auch wieder entnehmen können.

BESONDERS FÜR NUTZERINNEN – Wohnen und sparen
Wenn es weder einen Renditedruck, noch einen Abzahlungsdruck mehr gibt, kann sich die „Miete“ auf die reine Abschreibung (Abwohnung) beschränken. NutzerInnen zahlen neben den Betriebskosten monatlich einen Beitrag, welcher der Abnutzung der Räume entspricht und in einem Renovierungsfonds gesammelt wird. Bei Baukosten von 2.000,- Euro pro Quadratmeter Nutzfläche und einer angenommenen „Lebensdauer“ der Wohnung von 50 Jahren entspricht das einem Orientierungwert von 3,33 Euro/qm. Das liegt weit unter der marktüblichen Miete und ermöglicht so auch sozial und finanziell schwächer gestellten Menschen den Zugang zu qualitativ gutem Wohnraum.
Darüber hinaus sind die NutzerInnen eingeladen, monatlich auch einen Sparbetrag in den Vermögenspool einzuzahlen, den sie sich bei einem Ausstieg aus dem Projekt auch auszahlen lassen können. Der Sparbeitrag kann variabel, je nach finanzieller Situation der MieterInnen gestaltet werden.
So ermöglicht ein Vermögenskreislauf in der Art eines Vermögenspools sozialen Ausgleich, Stopp der Umverteilung von Vermögen von Unten nach Oben und fördert hingegen Vermögensbildung in den unteren und mittleren Schichten und Belebung der Wirtschaft!

Weiterführende Information


Projekte, die diese Modell bereits in der Praxis anwenden und gänzlich oder teilweise mit Vermögenspool finanziert wurden:

Kategorie: Zukunftslabore
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