Die Sustainable Development Indicators (SDIs) dienen seit 2005 zum Monitoring der EU Nachhaltigkeitsstrategie (EU SDS). Das Indikatorenset besteht aus 130 Einzelindikatoren zu zehn Nachhaltigkeitsthemen, basiert auf dem umfangreichen System von NH-Indikatoren der UNCSD (1996), wurde rund um die Themen der Agenda 21 konzipiert und 2007 an die neue EU SDS angepasst. Seither erscheint alle zwei Jahre ein Monitoring-Bericht zur EU-Nachhaltigkeitspolitik auf Basis der SDIs.

 

Selbstverständnis und Motivation

Die SDIs sollen die Annäherung an die Ziele der Europäischen Nachhaltigkeitsstrategie (EU SDS) messbar machen. Diese beruht seit ihrer Erneuerung 2006 auf sieben zentralen Herausforderungen ("key challenges") in den Bereichen Energie, Transport, Konsum & Produktion, Umweltschutz, öffentliche Gesundheit, sozialer Zusammenhalt und globale Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung. Die SDIs knüpfen in ihrer Systematik daran an, sollen zugleich international vergleichbare Indikatoren bereitstellen und somit einen Beitrag zur Konvergenz im Nachhaltigkeits-Monitoring leisten.

 

Methodik

Die SDIs umfassen 130 Einzel-Indikatoren, darunter 10 "Headline Indicators", die den sieben "key challenges" der EU SDS einschließlich drei weiterer Zielsetzungen in den Bereichen sozio-ökonomische Entwicklung, demografischer Wandel und politische Institutionen entsprechen:

  • sozio-ökonomische Entwicklung, gemessen haupts. am realen BIP/Kopf und seiner Wachstumsrate, daneben u.a. an Innovation, Wettbewerbsfähigkeit & Öko-Effizienz, und an Beschäftigung
  • nachhaltige Produktion & Konsum, gemessen haupts. an der Ressourcenproduktivität, daneben u. a. an Ressourcenverbrauch und Abfall, Konsum- & Produktionsmustern
  • sozialer Zusammenhalt/Inklusion, gemessen haupts. am Anteil armutsgefährdeter Personen, daneben u. a. an Lebensbedingungen armer Menschen und am Zugang zum Arbeitsmarkt
  • demografischer Wandel, gemessen haupts. an der Alterserwerbsquote, daneben u. a. an demografischen Daten, Einkommen alter Menschen und nachhaltiger Finanzierbarkeit öffentlicher Ausgaben
  • öffentliche Gesundheit, gemessen haupts. an gesunden Lebensjahren und Lebenserwartung ab Geburt, daneben u. a. an ungleicher Verteilung und Einflussgrößen von Gesundheit
  • Klimawandel & Energie, gemessen haupts. an Treibhausgasemissionen und Primärenergieverbrauch, daneben u. a. an Daten zum Klimawandel
  • nachhaltiger Transport, gemessen haupts. am Energieverbrauch im Verhältnis zum BIP, daneben u. a. an Transport- & Mobilitätsmustern und sozialen und ökologischen Folgen
  • natürliche Ressourcen, gemessen haupts. am Vogelindex, daneben u. a. an weiteren Maßen zur Biodiversität, Trinkwasserressourcen, marinen Ökosystemen und Landnutzung
  • globale Partnerschaft, gemessen haupts. an der öffentlichen Entwicklungshilfe im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen, daneben u. a. an Globalisierung des Handels, Ausgaben für nachhaltige Entwicklung, globalem Ressourcenmanagement
  • Good Governance, gemessen -- ohne "headline indicator" -- u. a. an Kohärenz und Effektivität politischer Maßnahmen, Offenheit und Partizipation und ökonomischen Instrumenten

 

Aussagekraft

Die SDIs versammeln eine große Anzahl relevanter Indikatoren in zentralen Bereichen der EU Nachhaltigkeitsstrategie. Die Headline Indicators werden dabei als "Proxies" angesehen, welche einen groben Eindruck zu Entwicklungstrends im jeweiligen Bereich liefern sollen. Sie lassen allerdings -- entgegen diesem Anspruch -- meist lediglich Aussagen für einen kleinen Teilbereich zu, unterscheiden sich von den nachgelagerten Indikatoren also vor allem hinsichtlich ihrer vergleichsweise einfachen Erheb- und Kommunizierbarkeit.

Die Aussagekraft der SDIs leidet damit zunächst unter dem vom EU SDS übernommenen Design, der mangelnden Validität der Headline Indicators und der häufig (zumindest im nationalen Vergleich) mangelnden Reliabilität der Einzelindikatoren, und schließlich auch -- wie bei allen Indikatorensets und Dashboards -- am fehlenden, integrierenden Gesamtkonzept, welches eine kompakte Übersicht des Entwicklungsverlaufs geben könnte. Eine 2007 angedachte Kooperation mit UNECE & OECD, um die SDIs rund um einen "Accounting-Ansatz" zu integrieren, dürften ebenso gescheitert -- oder auf Eis gelegt worden -- sein wie Überlegungen, einen subjektiven "well-being indicator" in das Set zu integrieren.

 

Praxis

Auf Basis der Erhebungen dieser Indikatoren veröffentlicht Eurostat alle zwei Jahre einen Monitoring Report, in dem Abweichungen von den Zielvorgaben der EU SDS sichtbar gemacht werden. der Monitoring Report fließt zugleich in den Fortschrittsbericht der EU-Kommission ein.

 

Plus/Minus

+

  • umfassendes Indikatorenset
  • enge Anbindung an administrative Statistiken und politischen Prozess

-

  • Validität der Headline Indicators und Reliabilität der Einzelindikatoren vereinzelt fraglich
  • Design auf Basis der EU SDS und fehlendes integrierendes Gesamtkonzept machen als Informationsquelle diffus
  • unverbindlich in der Umsetzung

 

Quellen

[1] eurostat -- EU Sustainable Development Indicators >> OFFIZIELLE WEBSITE

[2] Stiglitz et al. 2009 : 41