Von Daniel Deimling

Die betagte Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens rückt spätestens seit der Volksabstimmung in der Schweiz zunehmend in die öffentliche Debatte. Die Befürworter prophezeien paradiesische Zustände, die Gegner sehen den Untergang der Arbeitsgesellschaft heraufziehen, die politische Linke ist uneins. Und dann gibt es da noch das Silicon Valley.

 

Das bedingungslose Grundeinkommen passt in keine Schublade

Es gibt kaum ein sozioökonomisches Konzept, das nach Maßgabe der etablierten Kategorisierungen (neoliberal / sozialistisch (sozialdemokratisch), konservativ / progressiv, systemerhaltend / -umwälzend, usw.) so schwierig verortbar ist wie das bedingungslose Grundeinkommen. Dies zeigt sich nicht nur daran, dass Wissenschaftler, Politiker, Unternehmer und Journalisten unterschiedlichster Couleur das Konzept befürworten bzw. ablehnen, sondern auch daran, dass innerhalb soziokultureller und politischer Gruppierungen völlige Uneinigkeit über die Erwünschtheit der Einführung einer bedingungslosen Grundsicherung herrscht. Es sprechen ebenso schwer wiegende Argumente für wie gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wir versuchen uns an dieser Stelle einmal an einer Bestandsaufnahme. 

„Enron-Skandal: Bilanztricks biblischen Ausmaßes“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Februar 2002), „Amazon: Labor der Ausbeutung“ (Süddeutsche Zeitung, August 2015), „Dieselmodelle: Volkswagen gibt Abgasmanipulation in den USA zu“ (Spiegel, September 2015), “The social responsibility of business is to increase its profits” (New York Times, September 1970).

Einmal mehr wird so getan, als sei es ein schwarzes Schaf (Volkswagen), das die kapitalorientierte Marktwirtschaft in Verruf bringt. Es gehe „um das massive und strafwürdige Verhalten einzelner Manager“, so der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Oktober 2015 bezüglich des VW-Skandals. Manipulation, ebenso wie die Gefährdung von Mensch und Umwelt, sind demnach lediglich unangenehme Randerscheinung und Missbrauch eines ansonsten integren ökonomischen Systems. Diese Einschätzung spiegelt den massenmedialen Tenor in sämtlichen bekannt gewordenen unternehmensbezogenen Skandalen der letzten Jahre wider: Die zyklisch auftretenden Missstände seien nicht systemimmanent, sondern Folge individueller Verfehlungen. Ich stelle eine andere These auf: Gesetze interessieren Unternehmen, deren Ziel die Profitmaximierung ist, nur unter Rentabilitätsgesichtspunkten. Sie werden eingehalten, wenn dies langfristig profitabler erscheint, als sie zu brechen.

Mittlerweile finden sich selbst in Werbeprospekten von Lebensmitteldiskontern Silvesterflüge und Nordpolrundreisen. Bei letzteren startet man z. B. mit Airberlin am frühen Vormittag und kehrt gegen Abend zurück. Dazwischen liegt laut Veranstalter ein kurzer Aufenthalt in Rovaniemi am Polarkreis mit „Rentiertaxi fahren, eine Wichtelschule sowie die Postfiliale des Weihnachtsmannes besuchen.“ Für besonders Eilige gibt es das auch in der Minimalversion: Man steigt gar nicht aus und schaut sich das Eis von oben an, solange es noch nicht geschmolzen ist. Genauso bei „Silvesterflügen“: Hier steigt man nur deshalb in das Flugzeug, um das Feuerwerk von oben sehen zu können. „Der Polarkreisflug kostet pro Person 399 Euro inklusive Steuern und Gebühren, die Silvesterflüge gibt es pro Person ab 99 Euro inklusive Steuern und Gebühren“ informiert der Anbieter. Andere Kosten werden nicht angeführt. Eine neue Form von Mobilität: man reist, ohne irgendwo hinkommen zu wollen und maximiert dabei die negativen Effekte seiner Existenz auf Kosten anderer.

"Bio" ist und bleibt in Österreich ein Minderheitenprogramm -- und das, wo wir doch international im Spitzenfeld liegen. Handel, Politik und Bio-Industrie pflegen ergo ihr Bio-Vorreiter-Image, aber die Luft ist längst draußen. Die etablierte Strategie, "Bio" als Premium-Segment zu vermarkten, erweist sich zusehends als Hemmschuh: Es bedingt geradezu, dass das, was gut und richtig ist, besonders -- und entsprechend teuer -- ist und bleibt. Aus dieser verkehrten Marketing-Logik müssen wir raus, denn der Preis lügt und "der Markt" wird's nicht richten. Hier ist Politik gefragt -- und damit zuallererst wieder mehr Aktivismus und radikale Kritik: So wie in den Anfangstagen von "Bio", bevor es von Handel und Industrie als hochpreisiger Nischenmarkt kassiert wurde.

Das ImZuWi will Alternativen für zukunftsfähiges Wirtschaften andenken und verbreiten -- "Teil der Lösung sein". Leider sind wir aber tagtäglich mit "Teilen des Problems" konfrontiert und kommen auch nicht umhin, uns darüber zu ärgern -- über Dummheit, Dreistigkeit, Gemeinheit, Ungerechtigkeit (meistens ist das auch ein und dasselbe). Um uns Luft zu machen, werden wir deshalb in loser Folge unserer Meinung zum Tagesgeschehen Ausdruck verleihen -- wenn es gar nicht anders geht.

In dieser Rubrik stellen wir beispielhafte "Konsumidiotien" vor, die wir für unnötig, unsinnig und unverantwortbar halten. Wir hoffen damit, KonsumentInnen an ihr letztes Bisschen Souveränität zu gemahnen und Unternehmen bei der Gestaltung der Produktpalette zu unterstützen -- indem wir ihnen helfen, ein Mindestmaß an Intelligenz und Verantwortung walten zu lassen. Gerne nehmen wir auch Vorschläge für weitere "Konsumidiotien" entgegen. Kurzes Mail mit Beschreibung & ggf. Beispiellink an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! genügt.

Bisschen Theorie gefällig? >> Konsumethik. Souveränität als Dogma und Forderung

 


"Billa Freshy" ?! -- "Ganz schön trashy!"

Seit ein paar Jahren schon matchen sich Rewe & Spar, die Gebieter über 2/3 des Lebensmittelmarkts in AT, in Sachen "Convenience" -- das sind zeitgeistig aufgemachte, überteuerte Häppchen in Plastik. Billa/Rewe will's jetzt wissen mit seiner landesweit plakatierten, betont auf urbane LoHipstaS zugeschnittenen Eigenmarke "Freshy". Was soll man dazu sagen: Ganz schön trashy eben!*





* engl.trash = Müll -- Die Spoof ads oben möchten damit auf das vergrößerte Müllaufkommen durch die in Plastik-Einwegverpackungen angebotenen Convenience-Produkte hinweisen.